Physik-Nobelpreisträger Leo Esaki zu Gast

Prof. Dr. Leo Esaki, der 1973 den Nobelpreis für Physik bekam, besuchte am 4. Juli die Universität Regensburg, genauer gesagt, Prof. Dr. Karl F. Renk, mit dem ihn eine langjährige Bekanntschaft verbindet. Er führte Gespräche mit Mitarbeitern am Lehrstuhl Renk, bei denen auch der Rektor der Universität zugegen war, und hielt am darauffolgenden Tag einen Gastvortrag, zum Thema "Innovation and Evolution: Reflections on a Life in Science", der inoffiziell allerdings unter dem Titel "Wie bekomme ich einen Nobel-Preis?" gehandelt wurde.

Prof. Esaki im Gespräch mit Rektor Altner und Gastgeber Prof. Renk (r.). Foto: R. F. Dietze

Wie werde ich Nobel-Preisträger?

Tatsächlich beschloß Esaki seinen Vortrag, der die wichtigsten Stationen und Erkenntnisse seiner Wissenschaftlerkarriere aufzeigte, indem er auf fünf Punkte verwies, die man tunlichst unterlassen sollte, um seine Aussichten auf eine erfolgreiche Karriere nicht allzu sehr zu beeinträchtigen. So warnte er davor, sich zu sehr von seinen bisherigen Erfahrungen leiten zu lassen. Meist sei ein mutiger Schritt nach vorne notwendig, um Neues zu entdecken. Auch Autoritätsgläubigkeit könne eher ein Hinderungsgrund als ein beförderndes Element sein, fügte er hinzu. Überhaupt gelte es, unnötigen Ballast hinter sich zu lassen, um dadurch nicht aufgehalten zu werden. Auf Konfrontationen müsse man bei solchen Maximen gefaßt sein; sie gehörten nun einmal dazu. Keinesfalls aber sollte man die kindliche Neugier verlieren. Sie sei der Schlüssel oder zumindest ein wesentliches Element der kreativen Vorstellungskraft.

Nobel-Preisträger Leo Esaki
Foto: R. F. Dietze

Reiona Esaki, der sich erst später Leo Esaki nannte, wurde 1925 in Osaka, Japan geboren, und besuchte die Third High School in Kyoto, aus deren Reihen bereits zwei Physik-Nobelpreisträger hervorgegangen waren. An der Universität von Tokio erwarb er einen Magister in Physik, arbeitete dann für die Kobe Kogyo Corporation und für Sony in Tokio. 1959 promovierte er in Physik und heiratete. Den Nobelpreis erhielt er 1973 für die Studien, mit denen er sich seit 1957, also 22jährig, im Rahmen seiner Doktorarbeit befaßt hatte.

Esaki wies das Auftreten des Tunneleffekts beim Durchgang von Elektronen durch extrem dünne Sperrschichten zwischen verschieden dotierten Halbleitern nach und entwickelte die nach ihm benannte Tunneldiode.

Während eines USA-Aufenthalts im Jahre 1960 wurde Esaki von IBM als Forscher für das Watson Research Center in Yorktown Heights, New York, angeworben und blieb dann 32 Jahre in den USA, wo ihm eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere beschieden war. 1992 kehrte der einzige lebende Physik-Nobelpreisträger Japans in seine Heimat zurück, um die Präsidentschaft der Tsukuba Universität anzutreten, was insofern Aufsehen erregte, weil er nicht aus dem akademischen Bereich kam und so lange Zeit außerhalb Japans gelebt hatte.

Die Tsukuba Universität ist jünger als die Universität Regensburg. Gegründet 1973, in dem Jahr also, in dem Esaki den Nobelpreis bekam, liegt sie in der Nähe des Tsukuba Wissenschafts-Parks, der von der japanischen Regierung eingerichtet wurde, um neue Talente aus Wissenschaft und Technik anzuziehen. Schon 1992 hatte das Wissenschaftszentrum 45 nationale Forschungsinstitutionen mit rund der Hälfte der staatlich finanzierten Wissenschaftler sowie die Hälfte des staatlichen Forschungsbudgets und rund 200 industrielle Labors angezogen.

Da sich die Nähe zu so viel geballter Wissenschaft aber nicht dahingehend auswirkte, das Tsukuba zu einer der besten Universitäten des Landes wurde, versuchte man es mit einer "Blutauffrischung", eben der Ernennung Esakis zum Präsidenten der Universität. Seine Aufgabe besteht nun darin, der Tsukuba Universität zu mehr Ansehen in der weltweiten scientific community zu verhelfen.

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rfd